„Doppelt g´moppelt“ sorgt für allerlei Irrungen und Wirrungen in der Komödie im Marquardt Stuttgart
Sie sind verheiratet mit einer Person? Dann herzlichen Glückwunsch! Sicherlich denken Sie nun, was diese Frage zu Beginn einer Rezension soll. Doch es schließt sich gleich eine weitere an: Sie sind verheiratet, jedoch zum selben Zeitpunkt mit zwei verschiedenen Frauen? Dann geht es Ihnen so, wie Hermann Böckle im Theaterstück „Doppelt g´moppelt“. Der solide Taxifahrer aus Stuttgart ist ein Bigamist und hat gleichzeitig zwei Ehefrauen und zwei Wohnorte – so lebt er mit Ehefrau Nr. 1 Marianne in Stuttgart Ost und mit Ehefrau Nr. 2 Eva in Stuttgart West. Alles könnte so schön sein und Böckle, der einen perfekt abgestimmten Stundenplan führt, wann er bei welcher Frau zu sein hat, wäre der glücklichste Mann auf Erden, wäre da nicht diese eine Nacht, die ihm zum Verhängnis wird…
Was so klingt wie eine slapstickreiche Hollywood-
Dass der deutsche Titel „Doppelt g´moppelt“ natürlich eine Anspielung auf die zwei Ehen des Herrn Böckle ist, dürfte wohl jeden sofort klar werden. Doch wer sich nun fragt, wie denn aus dieser Thematik ein abendfüllendes Stück werden soll, dem sei gesagt, dass die Bigamie des Taxifahrers nur der Stein des Anstoßes für viele weitere Aktionen ist, die sich aus dieser bestimmten Nacht, die zu Beginn erwähnt wurde, ergeben.
Doch was geschieht in dieser besagten Nacht? Hermann Böckle (fabelhaft verkörpert von Armin Jung, der bereits in weiteren Stücken der Komödie im Marquardt zu sehen war) versuchte den Helden zu spielen. Er wollte einer alten Dame helfen, die von zwei Dieben bedrängt wurde, welche es auf ihre Handtasche abgesehen hatten. Doch anstatt erfreut zu sein über Böckles Hilfe, zieht die alte Frau ihrem Helfer eine mit der Handtasche über und schlägt ihn krankenhausreif.
So wird Böckle ins Stuttgarter Katharinenhospital eingeliefert, wo er die Nacht, mehr oder weniger bewusstlos, verbringt. Währenddessen sieht man als Zuschauer, wie sich beide Ehefrauen, ob nun im Ost oder Westteil Stuttgarts, Sorgen machen und die jeweiligen Polizeireviere verständigen. Marianne (Stefanie Stroebele) ruft Doris Schleicher (Barbara Bernt), die Polizeiinspektorin macht sich pflichtbewusst auf den Weg, ebenso wie ihr Kollege im Westen Fritz Lauscher (Michael Tschernow), der von Eva (Diana Ganter) verständigt wurde. Dass die beiden einen äußerst turbulenten Tag erleben werden, dürfte ihnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar sein.
Als Böckle morgens aus dem Krankenhaus entlassen wird, führt ihn sein Weg zu Marianne, dort erwartet ihn auch sein langjähriger Freund und Nachbar Karlheinz Schwätzer (Martin Theuer), der als einziger erfährt, dass Hermann Böckle zwei Ehefrauen hat. Dieser steht seinem Freund nun zur Seite und gerät in einen Strudel von abstrusen und aberwitzigen Verwicklungen, dabei ist es eine wahre Freude, Martin Theuer zuzusehen, denn dieser verfügt über das Talent, diverse Stimmungen auf den Punkt genau zu verkörpern. Nach dem Auftauchen Böckles bei seiner Frau Marianne würde der Fall als abgeschlossen erklärt werden, wäre da nicht die Adresse, die er im Krankenhaus angegeben hat. Im Hospital liegen zwei Adressen Böckles vor, einmal im Stuttgarter Osten und einmal im Westen. Eben diese Tatsache lässt die beiden Inspektoren aufhorchen und weiter ermitteln. Während Schwätzer Böckle ein Alibi bei Marianne gibt, geht dieser zu Eva, die schon krank vor Sorge ist. Im Westen sind außerdem neue Nachbarn zu vermelden, ein Schwulenpärchen, von dem Richard Nüssle (Jörg Watolla) in der Wohnung von Eva auftaucht, da er sich vorstellen möchte und Hilfe benötigt.
Dass die sieben Personen letztendlich alle aufeinandertreffen, wie und weshalb aus Hermann und Karlheinz sogar ein Paar wird und wie dieses Chaos beendet wird – all das sehen Sie noch bis zum 15. Januar 2012 in der Komödie im Marquardt Stuttgart.
Dietmar Teßmanns Bühnenbild könnte des Weiteren nicht passender sein – so stellt der linke Teil der Bühne die Wohnung Mariannes im Osten dar und der rechte Teil Evas im Westen. Hierbei wurden die Farben rot und blau verwendet, um auch optisch noch diese Zweiteilung zu unterstützen. Ein großes Sofa steht in der Mitte und dient als Spielstätte beider Teile.
Ein großes Lob geht an dieser Stelle noch an das hervorragende Ensemble. Alle Darsteller
sind äußerst passend besetzt und es ist ihnen die Spielfreude, trotz der komplizierten
Sachlage und der temporeichen Dialoge, anzumerken. Dass Richard Nüssle eine Persiflage
auf den Modezar Harald Glööckler sein könnte und Karlheinz Schwätzers „Alibi“-
Erleben Sie „Doppelt g´moppelt“ in der Komödie im Marquardt – Tickets unter:
www.schauspielbuehnen.de
Bericht: Franziska Maier
Fotos: Sabine Haymann